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unserer 4x4
offroad
Reisen, Touren und Wochenenden. Ein herzliches
Dankeschön gilt
allen Mitfahrern, die uns ihre Bilder überlassen haben.

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transkarpathia 2008
Polen
–
Ukraine: Impressionen aus einem vergessenen Winkel Europas
Ein
Reisebericht
aus den ukrainisch-polnischen Waldkarpaten
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Entdeckerreisen,
so nennen
wir unsere neuen Reisen
in den unbekannten Osten Europas.
Diese
Reisen führen uns in Gegenden fernab
unserer heimischen
westpolnischen
Gefilde,
in die Karpaten zum Beispiel, wie im Sommer 2008.
Aber lesen
sie selbst:
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Vielleicht ist es ein Faible für die vergessenen Ecken dieses
Kontinents, vielleicht ist es aber auch nur die Neugier, die uns immer
wieder in die letzten Ecken treibt. Je dichter die Grenze desto mehr
zieht sie uns an. So ging es uns, die wir ja selbst an einer Grenze
leben, schon Jahre lang. Sei es auf den Spuren Emil Noldes im
dänisch-deutschen Grenzland, oder im Vielländereck der
Eifel-Ardennen
Region, im Elsass, im Schwarzwald und den Vogesen, oder wie in diesem
Sommer in einer Ecke, die wohl nur wenige Leute als begehrenswertes
Reiseziel bezeichnen würden.
Unser Ziel war die Erkundung des polnisch, ukrainisch, slowakischen
Dreiecks und der polnischen „eastern wall“, der heutigen
Außengrenze
der Europäischen Union. Einstmals als Galizien in Atlanten
erwähnt.
Eine Ecke, in der sich Religionen, Völker und Volksgruppen
vermischten.
In der sie sich aber auch von den Mächten dieser Welt
gegeneinander
aufhetzen ließen. Eine „exotische Ecke“ auf unserem Kontinent,
die
heute den wenigen dort noch lebenden Menschen kaum noch das Brot
einbringt, dass sie benötigen und in der die Natur noch das Leben
des
Menschen zu bestimmen scheint.
Das Auffälligste dieser Region scheint das Holz zu sein. Wer wie
wir,
in einer Landschaft aus steingebauten Häusern aufgewachsen ist,
den
mutet die hier vorherrschende Holzarchitektur schon ein wenig fremd an.
Ganz besonders die grossen, auffälligen Holzkirchen, die hier in
östlicher Kirchentradition entstanden sind und von denen sich
zahlreiche bis in die heutige Zeit gerettet haben. So fing unsere Tour
auch mit eben diesen Kirchen an, von denen wir an den ersten zwei Tagen
etwa 10 besuchten. Dann kamen auch die anderen Teams an und so waren
wir am Ende 5 Autos, 2 Mercedes G, zwei Landcruiser und ein Landrover
Discovery, die sich aufmachten ein unbekanntes Land zu entdecken. Die
erste Panik entstand, als einer der beiden Gs auf Straßenreifen
anrollte. „Das geht man gar nicht“ war in etwa der Kommentar den wir zu
hören bekamen. Doch schon bald legte sich dieses Problem, ein
samstäglicher Besuch bei einem Reifenservice brachte zwar keine
große
Änderung, aber die zwei mitgebrachten MT-Reifen plus der
serienmäßigen
Sperren sollten dann wohl ausreichen. Nicht viel weniger Bedenken
hatten unsere Partner vor Ort zu den Goodrich AT´s auf dem kurzen
Landcruiser, aber ein Auto lässt sich ja wohl noch mitziehen.
Unser Ziel waren die Waldkarpaten des polnisch-ukrainischen
Grenzlandes. Und so führte uns die Tour für die ersten zwei
Tage zuerst
durch den südöstlichsten Zipfel Polens. Hier in den
Bieszczady ist ein
Grossteil der Landschaft zum Nationalpark erklärt, um den wir
einen
weiten Bogen geschlagen haben, schließlich war nicht nur noch
Ferienzeit, sondern auch noch ein langes Wochenende. Der San, ein
Nebenfluss der Weichsel, war unser ständiger Begleiter solange wir
uns
nördlich der Wasserscheide zwischen Ostsee und Schwarzem Meer
bewegten.
Einstimmig waren wir der Meinung, dass diese als nahezu
entvölkerte
Landschaft angepriesene Ecke um ein vielfaches überlaufener
erscheint,
als unsere pommersche Seenplatte. Zudem stießen wir immer wieder
auf
die Wohltaten der Europäischen Union, die mit viel Geld dafür
Sorge
trägt, dass auch noch der letzte kleine Feldweg asphaltiert und
die
letzte Flussdurchfahrt mit Betonplatten ausgelegt wird. Piotr, unser
„Localscout“ mit seinem Discovery hatte also alle Hände voll zu
tun,
uns von der Schönheit dieses Landstriches zu überzeugen und
Strecken zu
finden, die abseits des Tourismusrummels verliefen. Dabei begegneten
wir wild lebenden Pferden genauso wie einsam lebenden Köhlern. Und
auch
die Zeichen des Krieges zeigten sich. Eines Krieges der in dieser Ecke
erst 1947 mit der Niederlegung ganzer Dörfer und der Vertreibung
ihrer
ukrainischen Bewohner zuende ging, der zuvor tausenden Menschen in
ukrainisch-polnischen Kämpfen das Leben gekostet hatte und der im
Bewusstsein der Menschen noch heute allgegenwärtig zu sein
scheint.
Unsere beiden Lager schlugen wir, nach Erlaubnis durch die Besitzer,
auf malerischen Plätzen auf, einmal am Waldrand und ein zweites
Mal auf
etwa 900m Höhe mit einem wunderbaren Ausblick auf die Bergwelt.
Der letzte Tag in Polen stand ganz im Zeichen noch notwendiger
Besorgungen. Unsere „Hexe“, der ausgesprochen sympathische Wachhund der
Cruiserfraktion, brauchte noch neben dem üblichen EU-Impfpass ein
Drittlandzertifikat vom Amtsveterinär, Wasser wollte noch
eingekauft
werden und auch sonst, wollten wir möglichst autark über die
Grenze
fahren. Doch dann ist es soweit, wir stellten uns an. Es war etwa 18:00
Uhr und am Grenzübergang herrschte eine bunte Mischung aus
stoischer
Ruhe und geschäftigem Treiben. Wir standen in einer Schlange von
etwa
100 Autos, die alle nur mal kurz zum Tanken fahren wollten und wurden
langsam, langsam in Richtung Schlagbaum getrieben. Um es kurz zu
machen, nach drei Stunden hatten wir die Grenzkontrolle ohne
größere
Schwierigkeiten, aber auch ohne die immer vorhergesagten „notwendigen“
Bestechungsgelder zu zahlen, passiert. Was blieb war ein schaler
Geschmack, eine Erinnerung an längst vergangen geglaubte Zeiten,
die
wir auch von unserer Grenze her erinnern, die wir aber auch an der
damaligen Außengrenze der EU nicht akzeptieren konnten. Eindeutig
stellten wir fest, es geht auch anders. Für uns aber ging es nach
einem
kurzen Tankstop weiter. Wir wollten etwa 100km weg von den
Hauptstrecken ein Nachtquartier suchen, also fuhren wir bei strahlendem
Vollmond über Ukrainische Landstrassen in die noch junge Nacht
hinein.
Nachts tobt auf Ukrainischen Strassen das Leben. Alt und Jung trifft
sich auf der Strasse, unbeleuchtete Fahrradfahrer,
Fußgänger,
Pferdefuhrwerke und Schlaglöcher lassen die Fahrt zum Abenteuer
werden.
Und dann bogen wir irgendwo ab, durchfuhren ein Dorf in dem die Jugend
und die Alten noch an ihren Lagerfeuern saßen und suchten uns in
der
Bergwelt einen Lagerplatz. Das Wecken am nächsten Morgen
hätte nicht
romantischer sein können. Glockengeläut näherte sich
unserem Camp und
schon durchwanderte eine kleine Kuhherde, begleitet von lachenden
„Cowboys“ unsere Wagenburg. Also raus aus den Schlafsäcken,
frühstücken
und die obligatorische Morgentoilette in einem der wunderbar klaren
Gebirgsbäche. 
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Dann ging es los, die
Erklimmung der ersten
Polonina stand uns
bevor. Das sind die Gipfelkämme oberhalb der Baumgrenze, die in
den
Waldkarpaten etwa zwischen 1000 und 1200m liegt. Da drüber gibt es
nur
noch Weite und das Land breitete sich bei wunderschönem
Sonnenschein
unter uns wie auf einer Landkarte aus. Aber zuerst mussten wir da mal
hinauf. Mitte Juli hatte es in den Karpaten nur geregnet und geregnet.
Von einer Jahrhundertflut mit Toten und zahlreichen Sachschäden
berichteten die Medien. Wir waren gespannt, was uns die Natur
abverlangen würde. Ausgewaschene, teils von tiefen Furchen
zerstörte
Wege waren noch das geringste Übel. Dann eine fehlende
Brücke, die uns
zu einem Umweg zwang, war doch der Bach zu steil in den Fels
gefräst um
ihn zu überwinden. Und oben diese sagenhafte Weite bei für
uns extra
strahlend blauem Himmel.
Ja und wer oben ist, der kann nur nach unten und dort ein paar
hundert Höhenmeter tiefer, am urtümlichen Buchenwald, da
suchten wir
unsere Lagerplätze. Doch bis dahin wieder Eindrücke und
Adrenalin. Der
Untergrund der Waldwege besteht aus Löss und Stein, bei feuchtem
Wetter
eine schwer zu fahrende Mischung. Nun wurde auch dem letzten klar,
warum die MT-Reifen so wichtig waren. Doch ganz egal wo zwischen Gipfel
und Tal wir unsere Lager aufschlugen, an jedem Morgen weckte uns das
lustige Geläut der Kühe und das muntere „Dobre dzien“ ihrer
Hirten. Nur
einen einzigen Wanderer trafen wir in der Bergwelt, die doch so dicht
neben dem polnischen Nationalpark liegt, wo tausende über
ausgetretene
Pfade stiefeln. Niemand hat wohl gezählt wie viele Berge wir
erklommen
und in wie viele Täler wir hinab gefahren sind, wie viele
Flüsse wir
durchfahren und an wie vielen Hängen wir Pilze und Beeren geerntet
haben.
Geerntet haben wir übrigens nur Brombeeren am Buchenwald, nicht
die
Blaubeeren auf den Polonine. Diese wurden von hunderten emsiger
Hände
schon vor uns gekämmt. Junge und alte, Männer und Frauen die
am frühen
Morgen von geschickten Unternehmern in uralt erscheinenden 6x6
Lastwagen hinaufgefahren werden und dann den ganzen Tag über
kämmen,
bis abends der LKW wieder ins Tal hinab fährt. Ihre tiefblauen
Hände
zeugten vom Erfolg ihrer Arbeit, wie auch die immer blattloser
werdenden Blaubeersträucher.
Noch immer bin ich fasziniert von dieser Welt der Berge mit ihren
urtümlichen Buchenwäldern und den weiten Höhen, die so
ganz anders ist,
als die Alpen, der Harz oder die Eifel. Fasziniert bin ich aber auch
von den Menschen, denen wir begegneten. Seien es die Hirten, die uns
freundlich grüssten, der Pilzessammler mit dem wir über die
„schöne
Julia“ und die Orangene Revolution diskutierten, bevor er uns eine
für
uns neue Speisepilzart zeigte, oder die Frauen in den Läden, die
uns
nicht nur das ukrainische Bier in Plastikflaschen, sondern auch
„richtige“ Tomaten, wohlschmeckendes Graubrot oder den köstlichen
ukrainischen Halva verkauften.
Ein paar Kilometer Luftlinie entfernt von der grünen Grenze zu
Polen, wir waren auf dem Rückweg, hatten etliche Kilometer
staubiger
Kreisstrasse hinter uns und tranken nun einen wohlverdienten Tee auf
einer grünen Höhe. Irgendwo in der Stille näherte sich
ein Mopedmotor
und schon aus 100m Entfernung klang es fröhlich „Dobre dzien“. Der
Grenzschutz der Ukraine, ein etwa 40jähriger Grenzschützer,
hatte seine
kleine Maschine durch die Löcher gequält um uns zu
kontrollieren.
Nachdem schnell klar war, dass wir bereits seit Tagen im Lande waren,
ein Funkgespräch auch die letzten Zweifel klärte,
konnten wir zum
gemütlichen Teil übergehen. gibt es hier Wölfe, wo leben
noch Wisente,
wovon leben die Menschen hier in der Region? Ja Wölfe und Wisente
gibt
es, die Menschen aber, die jungen besonders, die wandern ab. Kaum eine
Familie, die nicht irgendein Mitglied im Ausland hat, um das notwendige
Geld zu verdienen, in Polen, Frankreich oder noch weiter weg in
Amerika. Und der Tourismus spielt auch heute noch eine nur geringe
Rolle. Einige wenige Skilifte fielen uns auf und in einem Tal sahen wir
sogar einige Datschen und ein paar Städter, die sich auf der Wiese
am
Fluss sonnten, aber keine Agroturystyka, kein Urlaub auf dem Bauernhof,
wie sie im benachbarten Polen und der Slowakei zuhauf zu finden sind.
So wundert es nicht, das wir auch auf den restlichen Kilometern bis zur
Grenze nur das bereits gewohnte Bild der Arbeitsmaschinen sahen, Bauer,
Pferd und Frau, wobei der Bauer Pferd und Wagen führt und die Frau
mit
der hölzernen Heugabel auflädt.
Unsere Reise ging ihrem Ende zu, noch einige Male mussten wir einen
kleinen Fluss durchfahren, der hier seinen Ursprung nimmt, bevor er bei
Odessa als großer Strom in das Schwarze Meer mündet, den
Dnjestr. An
seinem Ufer begegneten wir noch einem Schwarzstorch, jenem heimlichen
Bruder unserer Weisstörche.
Um allen Missverständnissen vorzubeugen. Die Ukraine ist, wie alle
osteuropäischen Länder ein Land der harten Gegensätze.
Unsere Reise
führte durch die tiefste Provinz, abseits aller Städte. Wenn
immer wir
uns einer noch so kleinen Stadt näherten, sahen wir moderne Autos,
neue
Bauten, gut ausgebaute Fernstrassen, modernste Tankstellen gleich
hinter der Grenze zu Polen, bunt beleuchtete Motels und Läden die
unserem gewohnten Eindruck standhielten. Aber wir suchten ja die
Einsamkeit in der Natur, das Urtümliche und die Weite. In der
Erinnerung bleiben die krüppeligen Buchen, die weiten Flächen
mit ihren
überall aufragenden Enzianstauden, die freundlichen Menschen und
der
strahlend blaue Himmel über den goldgelben Feldern. Eine
Landschaft in
den Nationalfarben der ukrainischen Republik.
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